Statistik rechter Gewalttaten in Brandenburg
Seit 2002 wertet die Opferperspektive registrierte rechte Gewalttaten statistisch aus.
Für das Jahr 2008 wurden 104 rechts motivierte Angriffe in Brandenburg gezählt (Stand: 24. März 2009). Die Zahl rechter Gewalttaten lag damit deutlich niedriger als in den Vorjahren. Die höchste Zahl war 2007 festgestellt worden, als 159 Angriffe erfasst wurden.
Die 2008 registrierten Straftaten richteten sich gegen 174 Personen, weitere 118 Menschen wurden mittelbar als Begleitpersonen von Angriffen betroffen (2007: 262 und 91). Etwa 80 Prozent aller rechten Gewalttaten sind Körperverletzungen; im Jahr 2008 waren es 77 der 104 Fälle. Daneben weist die Statistik der Opferperspektive für das vergangene Jahr 12 versuchte Körperverletzungen und Nötigungen, 7 Sachbeschädigungen und 3 Brandstiftungen aus. Letztere richteten sich gegen Geschäfte und Gaststätten von MigrantInnen sowie gegen einen linken Jugendklub.
Zahl rechter Gewalttaten und Geschädigter
| Statistik | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gewalttaten (OPP) | 130 | 117 | 137 | 140 | 140 | 159 | 104 |
| Gewalttaten (LKA) | 78 | 87 | 105 | 97 | 90 | 93 | 71 |
| Direkt Geschädigte (OPP) | 171 | 152 | 179 | 196 | 206 | 262 | 174 |
Stand: 24. März 2009
Die Fallzahlen des Landeskriminalamts (LKA) und der Opferperspektive sind nicht direkt vergleichbar. Die Opferperspektive erfasst zusätzlich zu den vom Landeskriminalamt nach der Definition Politisch motivierte Kriminalität-rechts gezählten Delikten auch Bedrohungen, Nötigungen und Sachbeschädigungen. Bis 2005 waren, wenn man nur die nach dem Erfassungssystem PMK-rechts erhobenen Delikte betrachtet, dennoch erhebliche Abweichungen vorhanden. Seit 2006 enthält die Statistik der Opferperspektive auch Fälle, die nur dem LKA bekannt wurden. Diese werden regelmäßig den Antworten der Landesregierung Brandenburg auf Kleine Anfragen der Landtagsfraktion der Partei DIE LINKE entnommen.
Zahl rechter Straftaten nach Tatmotiven
| Motiv | 2006 | 2007 | 2008 |
|---|---|---|---|
| Rassismus | 50 | 67 | 30 |
| Antisemitismus | 8 | 2 | 2 |
| Homophobie | 0 | 0 | 2 |
| gegen Behinderte | 1 | 1 | 1 |
| gegen sozial Benachteiligte | 0 | 1 | 1 |
| gegen politische Gegner | 30 | 39 | 34 |
| gegen nicht Rechte | 42 | 38 | 32 |
| Sonstiges | 1 | 0 | 0 |
| Unklar | 8 | 11 | 2 |
Stand: 24. März 2009
Etwa ein Drittel der Gewalttaten ist von Rassismus motiviert; 2008 waren dies 30 von 104 Angriffen. Betroffen werden Flüchtlinge und MigrantInnen ebenso wie Deutsche unterschiedlicher Herkunft. Etwa zwei Drittel der Angriffe richten sich gegen nicht-rechte Jugendliche, Punks und Linke. 2008 wurden die Opfer in 34 Fällen als politische Gegner eingestuft, bei 32 Gewalttaten einem alternativen Milieu zugeordnet.
Eindeutig politisch motivierte Gewalt, die auf Verachtung der Opfer aufgrund ihres sozialen Status (vor allem Wohnungslosigkeit oder Erwerbsarbeitslosigkeit) beruht, wird selten festgestellt. Im Jahr 2008 wurde im uckermärkischen Templin der 55-jährige Bernd K. getötet; die Täter verachteten den erwerbsarbeitslosen Meliorationstechniker aufgrund seiner Lebensweise. Es wird vermutet, dass das Dunkelfeld bezüglich dieser Opfergruppe besonders groß ist.
Ebenfalls vergleichsweise selten werden antisemitische Gewalttaten (2008: 2), Angriffe gegen Homosexuelle (2008: 2) und gegen Behinderte (2008: 1) erfasst. Das hat, neben dem ebenfalls als groß einzuschätzendem Dunkelfeld, unterschiedliche Gründe. Antisemitische Straftaten sind überwiegend Propagandadelikte, sowie Friedhofsschändungen und Sachbeschädigungen, die hier nicht erfasst werden. Rechte Gewalttäter wählen Opfer häufig spontan nach deren äußerer Erscheinung aus. Anders als Schwarze oder linke Jugendliche sind Jüdinnen und Juden wie auch Homosexuelle in Brandenburg in der Regel nicht durch ihre Erscheinung für Rechte zu erkennen.
Zahl rechter Gewalttaten nach Landkreisen und kreisfreien Städten
| Landkreis/Kreisfreie Stadt | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Barnim | 10 | 6 | 3 | 6 | 7 | 5 | 2 |
| Brandenburg an der Havel | 1 | 1 | 2 | 2 | 1 | 1 | 3 |
| Cottbus | 13 | 9 | 9 | 9 | 7 | 13 | 5 |
| Dahme-Spreewald | 12 | 3 | 7 | 9 | 13 | 6 | 4 |
| Elbe-Elster | 1 | 2 | 1 | 5 | 1 | 10 | 1 |
| Frankfurt (Oder) | 5 | 7 | 6 | 2 | 13 | 9 | 5 |
| Havelland | 14 | 18 | 24 | 17 | 11 | 13 | 6 |
| Märkisch-Oderland | 4 | 7 | 15 | 6 | 3 | 9 | 8 |
| Oberhavel | 6 | 6 | 5 | 7 | 10 | 12 | 8 |
| Oberspreewald-Lausitz | 7 | 1 | 4 | 4 | 2 | 3 | 2 |
| Oder-Spree | 3 | 1 | 12 | 15 | 7 | 9 | 6 |
| Ostprignitz-Ruppin | 9 | 6 | 7 | 9 | 7 | 8 | 6 |
| Potsdam | 12 | 15 | 15 | 27 | 22 | 14 | 17 |
| Potsdam-Mittelmark | 2 | 6 | 7 | 8 | 9 | 8 | 2 |
| Prignitz | 4 | 5 | 1 | 3 | 2 | 3 | 4 |
| Spree-Neiße | 15 | 5 | 1 | 0 | 7 | 13 | 10 |
| Teltow-Fläming | 3 | 4 | 10 | 5 | 10 | 9 | 4 |
| Uckermark | 8 | 15 | 8 | 6 | 8 | 14 | 9 |
Stand: 24. März 2009
Diese Daten geben die regionale Verteilung rechter Gewalttaten in Brandenburg nach Verwaltungsgebieten wieder. Die Landkreise und Städte können nicht direkt verglichen werden. Enthalten sind nur Daten, die der Opferperspektive bekannt wurden, und die Quellenlage ist unterschiedlich gut. In der Größe, Einwohnerzahl und Sozialstruktur gibt es zudem erhebliche Unterschiede.
Pressemitteilungen
Einmal im Jahr gibt die Opferperspektive eine Pressemitteilung heraus, in der die statistische Entwicklung rechter Gewalt dargestellt und analysiert wird. Auf Grund von Nachmeldungen weichen die dort publizierten Zahlen von der auf dieser Seite wiedergegebenen Statistik ab.
2008: Weniger rechte Gewalttaten in Brandenburg
2007: Zahl rechter Gewalttaten unverändert hoch und Mehr rechte Gewalttaten
2006: Rechte Gewalt: Rückgang, aber keine Entwarnung
2005: Mehr rechte Angriffe auf alternative Jugendliche
2004: Rechte Gewalt erreicht Höchststand
2003: Gewaltige Abweichungen bei Angriffszahlen
2002: Mehr rechte Gewalt in Brandenburg
(OPP)

