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Antidiskriminierung

Antidiskriminierung
Source: Stefan Gloede

Beratung Betroffener rassistischer Diskriminierung

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CHRONOLOGIE

Haskenkreuz an Dönerimbiss. Quelle: de.indymedia.org

Rechte Gewalt in Brandenburg


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06.01.2012  » Neuruppin / Ostprignitz-Ruppin
Neuruppin Ein 40-jähriger Pakistaner wurde an seinem mobilen Verkaufsstand von einem Mann beleidigt und bedroht. Als der Betroffene den Stand verließ, um die Situation zu entschärften, schlug der Angreifer auf ihn ein und bedrohte ihn weiter. Als umstehende Passanten eingriffen, ließ der Täter von dem Betroffenen ab.  (Quelle: IW)
27.12.2011  » Frankfurt (Oder) / Frankfurt (Oder)
Frankfurt (Oder) Bei einem Hallenfußballturnier wurden Team und Fans einer Berliner Mannschaft von rechten Hooligans als "Juden" beschimpft und bedroht. Bei der vorzeitigen Abreise der Berliner wurden sie mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen.  (Quelle: Lila Kanal)
12.12.2011  » Frankfurt (Oder) / Frankfurt (Oder)
Frankfurt (Oder) Nach einem Punkkonzert wurden zwei Jugendliche von drei Männern als »Zecken« und »dreckige Punks« beschimpft und angegriffen. Eine Person wurde durch Schläge verletzt, die zweite Person verletzte sich beim Fluchtversuch.  (Quelle: BOrG FFO)
10.12.2011  » Oranienburg / Oberhavel
Oranienburg Am Bahnhof wurde alternativer Jugendlicher durch einen Neonazi aus einer siebenköpfigen Gruppe angegriffen. Nach einer verbalen Auseinandersetzung schlug der Neonazi auf den Jugendlichen ein, bis die Polizei ein schritt. Es wurde Anzeige erstattet.  (Quelle: Oranienburger Register)
05.12.2011  » Frankfurt (Oder) / Frankfurt (Oder)
Frankfurt (Oder) Ein 28-jähriger Mann aus Sierra Leone wurde aus rassistischen Motiven angegriffen und geschlagen. Der Betroffene war erst wenige Tage zuvor attackiert worden.  (Quelle: Polizei)
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2004-04-23
Source: Opferperspektive

Dankesrede zur Verleihung des Preises »Aktiv für Demokratie«

Am 23. April 2004 wurde der Opferperpektive e.V. und drei weiteren Brandenburger Initiativen in der Potsdamer Staatskanzlei der Preis des Bündnisses für Demokratie und Toleranz überreicht. Dominique John nahm für die Opferperspektive die Ehrung und den Scheck über 5.000 Euro entgegen.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Freundinnen,

wir haben in Brandenburg im vergangenen Jahr 116 Fälle rechtsextremer Gewalttaten registriert. Wir meinen: dies sind 116 Gewalttaten zuviel! Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, so zeigt sich, dass sich die Anzahl derartiger Angriffe auf einem hohen Niveau eingepegelt hat.

Menschen werden zu Opfer rechtsextremer Gewalt, weil sie von den Tätern einer gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden, die sie ablehnen. Flüchtlinge werden angegriffen, weil die Täter ihnen das Recht absprechen, hier zu leben; alternative Jugendliche werden zu Opfern, weil sie sich anders kleiden und politisch von den Rechtsextremen abgrenzen; Obdachlose, weil sie als unwert verachtet werden. Man könnte diese Liste verlängern.

So unterschiedlich die Verletzungen und Schicksale der Menschen sind, die von uns betreut werden, sie haben eines gemeinsam: Es ist die Erfahrung, stellvertretend für eine Gruppe zum Angriffsziel geworden zu sein. Für die Opfer eines derartigen Angriffs ist von größter Wichtigkeit, wie ihr unmittelbares soziales Umfeld und die Institutionen der Gesellschaft auf die Tat reagieren. Wird ihnen, den Betroffenen, geholfen? Wird ihnen geglaubt? Werden sie verstanden? Oder aber werden sie mit der Gewalterfahrung allein gelassen? Werden sie womöglich gar selbst für die Gewalttat verantwortlich gemacht?

Der Ansatz der Opferperspektive steht für eine auf den jeweiligen Fall abgestimmte Betreuung der Betroffenen. Wir vermitteln ärztliche und psychotherapeutische Hilfe sowie anwaltliche Unterstützung. Wir begleiten zu Behörden und zu Gerichtsprozessen und wir helfen bei der Stellung von Entschädigungsanträgen.

Die Opferperspektive ist parteilich. Sie steht für einen Ansatz, der rechtsextreme Angriffe aus der Sicht der Betroffenen thematisiert. Dies führt notwendigerweise zu einer Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Kontext rechtsextremer Gewalt. Wir wissen nur zu gut, dass sich viele rechtsextreme Gewalttäter als Vollstrecker eines vermeintlichen »Volkswillens« legitimiert sehen. Nicht selten sehen auch die Opfer, vor allem Flüchtlinge, die erlittene Gewalt als Bestätigung und Fortsetzung der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Diskriminierung, unter der sie leiden.

Die Opferperspektive fordert deshalb eine konsequente Solidarisierung mit den Opfern und eine Entsolidarisierung mit den Tätern.

Den Opfern muss adäquat geholfen werden, den Tätern muss unmissverständlich signalisiert werden, dass ihr Handeln unter keinen Umständen toleriert wird!

Die Opferperspektive arbeitet in Brandenburg seit 1998. Seit 2001 sind in allen neuen Bundesländern und Berlin ähnliche Beratungsstellen entstanden. Der Hinweis, dass von diesem Beratungsnetzwerk allein im letzten Jahr über 1200 Menschen betreut wurden, soll genügen, um auf die Notwendigkeit und der Erfolg solcher Beratungsstellen hinzuweisen.

Ermöglicht wurde diese konkrete und spürbare Hilfe für Opfer rechtsextremer Gewalt durch die Förderung des Bundesprogramms Civitas. Aufgrund der degressiven Förderpolitik sind die Länder nun mehr und mehr gefragt, diese neu entstandenen Beratungseinrichtungen weiter zu erhalten. Brandenburg hat sich dieses Jahr entschieden, die Opferperspektive in die Förderung aufzunehmen. Andere Länder zeigen leider mehr Zurückhaltung.

Machen wir uns nichts vor: Die rechtsextreme Gewalt zurückzudrängen, ist eine langfristige Aufgabe. Den Opfern die bestmögliche Hilfe anzubieten, ist das Mindeste, was wir tun können, tun müssen. Wir, die Beratungsstellen für Opfer rechtsextremer Gewalt, wollen dies weiterhin versuchen. Dafür brauchen und fordern wir Unterstützung.

Wir verstehen den Preis für Demokratie und Toleranz als eine Würdigung und Unterstützung der Beratung für Opfer rechtsextremer Gewalt, die leider auch in der nächsten Zukunft unverzichtbar sein wird.

Vielen Dank.

(OPP)

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links:

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